Blog · 6. September 2026
Panikattacken als Liebesdienst der Psyche: Wenn dein Körper „Genug“ sagt
Eine Panikattacke fühlt sich an wie ein Angriff von innen. Dabei ist sie in vielen Fällen etwas anderes: der Versuch deines Nervensystems, endlich Gehör zu finden, nachdem leisere Signale lange überhört wurden.

Ein Alarm, kein Angriff
Rasender Puls, Enge in der Brust, das Gefühl, gleich zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren: eine Panikattacke ist eine der intensivsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Genau diese Wucht macht es so schwer, sie als etwas anderes zu sehen als eine Katastrophe. Doch die körperlichen Symptome sind eine hochgefahrene Alarmreaktion, die eigentlich schützen soll. Das ändert nichts daran, wie sehr sie in dem Moment belastet, aber es verschiebt die Frage: nicht „Wie werde ich das los?“, sondern „Wovor genau schützt mich das gerade?“
Wenn öffentliche Personen davon erzählen
Der australische Wissenschaftler Benjamin Habib, Dozent an der La Trobe University, erlitt als Studiogast bei ABC News Breakfast vor laufender Kamera eine Panikattacke, die international Beachtung fand. Im Rückblick beschreibt er den Moment als Wendepunkt: Er schrieb danach offen über seine Angst und wurde so zu einem ungewollten Fürsprecher dafür, Angst anzuerkennen, statt sie zu verstecken (ABC News, 2019). Auch die US-Countrysängerin Lainey Wilson hat öffentlich von einer schweren Panikattacke im Jahr 2019 berichtet, die sie nach einer Phase beruflicher Dauerbelastung überrollte. Sie beschreibt sie als den Punkt, an dem sie begonnen hat, anders auf sich zu achten (Whiskey Riff, 2026). Was in beiden Berichten wiederkehrt, ist keine einzelne Aussage, sondern eine Bewegung: weg vom reinen Funktionieren, hin zu der Frage, was der eigene Körper eigentlich schon länger signalisiert hatte.
Warum Vermeiden die Angst größer macht
Wer eine Panikattacke einmal erlebt hat, versucht oft alles, damit sie nicht wiederkommt: bestimmte Orte, Situationen oder sogar Gedanken werden gemieden. Verständlich, und genau das hält die Angst oft am Leben. Aus der Angst vor dem Gefühl wird eine zweite Angst, die sich über den Tag legt, lange bevor überhaupt etwas passiert ist. Der Umschwung kommt meist nicht, indem man die Angst endgültig loswird, sondern indem man aufhört, vor ihr wegzulaufen, und merkt, dass sie sich aushalten lässt.
Was sich ändert, wenn man dem Signal folgt statt es zu bekämpfen
Wer eine Panikattacke ausschließlich als Feind behandelt, gerät leicht in einen Kreislauf aus Vermeidung und Angst vor der nächsten Attacke. Wird sie dagegen als Hinweis verstanden, verschiebt sich der Blick: Was in meinem Leben, meinem Alltag, meinen Beziehungen war zu viel? Wo habe ich meine eigenen Grenzen zuletzt überhört? Diese Fragen ersetzen keine Behandlung, aber sie öffnen einen anderen Zugang als reines Symptommanagement.
Ein wichtiger Hinweis dazu: Wenn Panikattacken zum ersten Mal auftreten oder immer wieder kommen, lass die Beschwerden bitte zusätzlich ärztlich abklären. Auch körperliche Ursachen, etwa an Herz oder Schilddrüse, können ähnliche Symptome auslösen und gehören zuerst ausgeschlossen.
Wie ich mit der SIS-Methode daran arbeite
In meiner Arbeit mit der SIS-Methode™ (Spürbar Ich sein) setze ich nicht nur bei der akuten Symptomatik an, sondern bei der körperlich-emotionalen Ebene, auf der sich die Überlastung über die Zeit aufgebaut hat. Wir schauen gemeinsam, welche Muster und Erfahrungen dem Nervensystem beigebracht haben, in Alarm zu gehen, und arbeiten an einer Regulation, die diesen Zustand nachhaltig verändern kann. Wo es passt, nutze ich Regressionshypnose, um an die ursprüngliche Situation heranzukommen, in der diese Reaktion gelernt wurde. Ziel ist, an der Wurzel anzusetzen, statt die nächste Attacke nur zu verwalten.
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